Meine Top-Tipps für 3 Tage Peking

Meine Top-Tipps für 3 Tage Peking

Was für ein strahlend blauer Himmel! Die Hauptstadt der Volksrepublik China – Peking – heisst uns entgegen aller Klischees mit schönstem Wetter willkommen. Auf der Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt bewundern wir das viele Grün links und rechts der Strassen. Lückenlosen Baumalleen verstecken geschickt lieblose Vorstadtbauten hinter einer Blätterwand. Peking erscheint mir auf den ersten Blick sympathischer als Shanghai, das uns wenige Tage zuvor mit einer Smog-Bubble begrüsste. Was Sonnenschein alles ausmachen kann! Auf meine Insta-Story mit Blick aus dem Taxifenster auf den blauen Himmel reagiert mein Bruder prompt: «Wow, so schönes Wetter! Da müsst ihr profitieren.»

Leider buchte ich von Seoul nach Peking einen Mittagsflug, und bis wir unserere Unterkunft erreichen, neigt sich der herrliche Frühlingstag dem Ende zu. Schaden, denn für die darauffolgenden Erkundungstage in Peking ist uns kein Sonnenschein vergönnt. Der Himmel erscheint in unseren Bildern daher in typischer – unfotogener – Smogmanier in einem lieblosen weissgrau. Wetterglück hatten wir beim Wanderausflug auf die Grosse Mauer – Mein Highlight unseres Pekingbesuches!

Wir haben insgesamt drei Nächte in Peking übernachtet und uns standen aufgrund der Weiterreise mit dem Nachtzug nach Xian auch drei volle Sightseeingtage zur Verfügung. Das reicht, um einen ersten Eindruck von Peking zu gewinnen und einen Auszug der bekanntesten Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Ihr müsst euch aber bewusst sein, dass ihr bei drei Tagen nur an der Oberfläche «kratzt» und es sich durchaus lohnen kann, zwei bis drei weitere Tage in Peking anzuhängen.

Nachfolgend beschreibe ich, wie wir unsere 3-Tages-Tour durch Peking gestalteten und welche Sehenswürdigkeiten wir besuchten.

Tag 1: Der Grossen Mauer entlang Wandern

Während die Mehrheit der Peking-Besucher am ersten Tag die Verbotene Stadt besichtigt, schnüren wir am frühen Morgen die Wanderschuhe und fahren danach 80 Kilometer in nördliche Richtung zur Huairou Xiangshuihu Great Wall Natural Scenic Area. Die meisten Abschnitte der Grossen Mauer, die sich in unmittelbarer Nähe von Peking befinden, sind gemäss diverser Quellen mit Touristen überfüllt. Nach unserem Erlebnis in den Yu Gardens in Shanghai wollten wir die bekannten Spots der Tourbusse nach Möglichkeit meiden. Zwei Tage vor unserer Reise nach Peking entdeckte ich die Website der Beijing Hikers, die mehrmals wöchentlich Wanderausflüge zur Grossen Mauern anbieten. Das Tourenangebot variiert je nach Wochentag/Saison. Mehrheitlich sind es Tagesausflüge, an den Wochenenden finden teilweise auch 2-Tages-Wanderungen mit Campingübernachtung statt. Die Kosten für die Tagesausflüge betragen pro Person zwischen 420 bis 500 Yuan (ca. 65 bis 75 CHF) und beinhalten Transport, Snacks, Wanderleitung und ein lokales Mittagessen.

Für unseren ersten vollen Tag in Peking steht ein Ausflug zur «Great Wall Spur» – einem unrestaurierten Ausläufer aus der Ming Dynastie – auf dem Programm. Ich komplettierte das Buchungsformular und erhalte prompt eine Anmeldebestätigung. Jetzt müssen wir nur noch einen der beiden Treffpunkte finden, was uns zum Glück erfolgreich gelingt. Die Wandergruppe besteht an diesem Tag aus 15 Personen inklusive drei Guides von Beijing Hikers (wovon zwei gut Englisch sprechen). Nach einer Fahrzeit von knapp zwei Stunden erreichen wir den Ausgangspunkt unserer Wanderung in der Nähe von Dongtaicun.

Das Fiese an dieser Tour ist der steile Anstieg am Anfang. Ein schmaler Pfad führt durchs abschüssige Dickicht 500 Meter bergwärts zum Mauerausläufer. Doch die Anstrengung lohnt sich! Verschwitzt und leicht ausser Puste, erreiche ich nach gut einer Stunde Aufstieg die mächtigen Mauern der «Great Wall». Mich begeistert in erster Linie, dass dieser Mauerabschnitt unrestauriert ist und wir so einen authentischen Eindruck des Bauwerkes kriegen; Nur die mit Bäumen und Pflanzen überwucherten Mauerüberreste (nicht minder eindrucksvoll als die restaurierten Mauerstücke, die wir im weiteren Verlauf dieser Reise besichtigen werden) und ein toller Panoramablick über bewaldete Hügelzüge. Keine Inszenierung, keine Musikberieselung und vor allem keine anderen Leute weit und breit. Toll! Die Wanderung führt uns nach dem anstrengenden Aufstieg gut zwei Kilometer der Mauer entlang und anschliessend durchs Dickicht zurück an den Ausgangsort, wo uns ein feines lokales Mittagessen erwartet.

Zur Grossen Mauer Wandern Grosse Mauer bei Xikan Dixia Peking Scenic Area Unrestaurierter Teil der grossen Mauer Auf der Grossen Mauer Wandern Unesco Welterbe Grosse Mauer Beking Hikers Tour zur Grossen Mauer

Tag 2: Durch Paläste, Tempel und Hutongs streifen

Nach einem tollen Wandertag auf der Chinesischen Mauer, widmen wir uns an den Tagen zwei und drei der Kernstadt von Peking. Leider ist vom schönen blauen Himmel des ersten Tages heute weit und breit nichts zu sehen. Wir lassen uns davon nicht die gute Laune verderben und fahren mit der Metro an den nordwestlichen Stadtrand von Peking. Dort befindet sich der im Jahr 1750 erbaute Sommerpalast, der als einer der am besten erhaltenen kaiserlichen Gärten gilt. Bei der Wahl des Eintrittstickets bestehen verschiedene Optionen je nachdem, ob man nur die Parkanlage oder zusätzlich noch einzelne Gebäude von Innen besichtigt. Wir entscheiden uns für das einfache Ticket (nur Parkanlage), das 30 Yuan pro Person kostet. Im Anschluss streifen wir durch die weitläufige Anlage und bewundern die bunten Bauten, die mich vom Stil her entfernt an die Schlösser von Sintra erinnern. Man könnte hier locker einen vollen Tag verbringen. Positiv ist, dass sich die Besucherströme dank der Grösse des Parks gut verteilen.

Peking Sommerpalast Kanal Sommerpalast Peking Architektur Sommerpalast Peking Tempelanlage im Sommerpalast Peking

Wir hingegen nutzen die zweite Tageshälfte für einen Besuch des Lamatempels (Yonghegong) im Stadtteil Dongcheng und einen anschliessenden Streifzug durch die umliegenden Hutongs..

Lamatempel Peking Yonghe Tempel Peking

Während unseres vorhergehenden Aufenthalts in Shanghai waren wir gespannt, wie sich Peking von der modernen Hafenstadt unterscheidet. Uns erschien Peking in der Kernstadt mit den Hutongs – die verwinkelten Wohnhöfe – traditioneller und angenehm entspannt. Gleichzeitig gibt es auch zahlreiche lässige Ecken zu entdecken. Dazu gehört die Great Leap Brewing Bar, die zu den ersten Mikrobrauereien in Peking zählt. Falls es euch wie uns ergeht und ihr dort nur ein Bier und nichts zu Essen ergattert, dann spaziert im Anschluss weiter in südliche Richtung, bis ihr das Restaurant Siji Minfu (32 Dengshikou W St, DongDan) erreicht. Dort wird die berühmte Pekingente aufgetischt.

Dongcheng Hutongs Hutong in Peking

Tag 3: Die Verbotene Stadt erkunden & fein essen

Den Tian’anmen-Platz sowie die Verbotene Stadt, zwei der top Sehenswürdigkeiten von Peking, hatten wir uns für den letzten Tag aufgespart. Frohgemut steuern wir die Verbotene Stadt an, was bereits ab der naheliegendsten Metrostation einem Spiessroutenlauf gleichkommt. Sicherheitskontrolle da, Metalldetektor dort und wehe, du hast deinen Pass vergessen. Immerhin so weit hatten wir uns informiert: Pässe immer mitnehmen. Doch als wir endlich den Eingangsbereich der Verbotenen Stadt erreichen und uns nach Ticketverkaufsstellen umsehen, sind wir irritiert. Diverse Informationstafeln weisen darauf hin, dass die Eintrittstickets online gekauft werden müssen. Um diesen Einkauf über die Palace Museum Website zu tätigen, muss man aber im Besitz einer chinesischen Kreditkarte sein. Für Leute wie wir, die spontan einen nicht geführten Ausflug zur Verbotenen Stadt unternehmen, ein Ding der Unmöglichkeit. «Wir Dödel» ist mein erster Gedanke; Sich vorgängig nicht ausreichend informieren und prompt ins Fettnäpfchen treten. Schlussendlich finden wir direkt beim Eingangstor zum Palastmuseum (rechter Hand) noch einige übrig gebliebenen Kassenhäuschen, zu den man uns freundlicherweise Zutritt gewährt (Chinesische Staatsbürger müssen die Tickets zwingend online kaufen). Unklar ist, wie lange diese Möglichkeit noch besteht. Informiert euch im Vorfeld. Unter Umständen kann euch eure Unterkunft bei der Organisation der Online Tickets behilflich sein.

Peking verbotene Stadt Eingang Sightseeing in der Verbotenen Stadt Verbotene Stadt Peking Architektur Architekturdetails Verbotene Stadt

Wir sind vom Tian’anmen-Platz her kommend in nördliche Richtung durch die riesige Anlage spaziert und haben uns dabei an die dezentralen Wege gehalten. So sind wir den geführten Gruppen geschickt ausgewichen. Wer die Verbotene Stadt über das Nordgate verlässt, der quert die Strasse und betritt den Jingshan Park. Vom Hügel in der Parkmitte gibt es den besten Ausblick über die Verbotene Stadt.

Aussicht Jingshan Park Peking

Im Anschluss spazieren wir dem Tongzi River entlang wieder Richtung Südtor. Auf Höhe Donghuamen Street (direkt vis-à-vis zum Donghuamen Tor) befindet sich etwas versteckt das fantastische Restaurant TRB Forbidden City (No.95 Donghuamen Main Street). Wir sind dort ohne Reservation einmarschiert und haben am Samstagmittag ohne Wartezeit einen Tisch mit Blick auf die Verbotene Stadt erhalten. Am Samstag- und Sonntagmittag wird fix das Brunchmenü serviert, wobei das Wort «Brunch» meiner Meinung nach irreführend ist. Im Grundsatz ist es ein 5-gängiges Menü mit mehreren Wahlmöglichkeiten, das mit Weinbegleitung 526 Yuan (ca. 80 CHF) kostet. Uns hat das Essen sowie der nette Service begeistert und ich würde hier sofort wieder einkehren. Die aktuellen Menüs und Preise findet ihr auf der verlinkten Website.

Peking Street Views Brunch Restaurant TRB Forbidden City Dessert Restaurant TRB Forbidden City

Das wir für die Restaurantrecherche meistens mehr Zeit aufwenden, als uns um die Ticketorganisation und Öffnungszeiten der Sehenswürdigkeiten zu kümmern, zeigt sich exemplarisch direkt nach dem feinen Mittagessen. Zum Abschluss wollte ich mir eigentlich noch den imposanten Himmelstempel südlich vom Tian’anmen-Platz angucken. In die Parkanlage schaffen wir es rein doch für den Zutritt zur Tempelanlage sind wir exakt eine Minute zu spät. Diese schliesst leider bereits um 17:30 Uhr ihre Tore. So bleibt es beim Blick von aussen.

Himmelstempel Peking

Praktische Reisetipps für Peking

  • Wir haben im SonGy Hotel im Stadtteil Dongcheng übernachtet. Das Hotel – das vom Stil her eher einem Bed&Breakfast gleicht – befindet sich inmitten eines traditionellen Hutongs. Die Zimmer sind klein, aber schön gestaltet. Gastgeberin Briana spricht gut Englisch und ist sehr bemüht, zu einem perfekten Aufenthalt in Peking beizutragen. Wir haben für unser Zimmer mit Bad für drei Nächte inklusiv Frühstück 220 CHF bezahlt.
  • Die Taxifahrt vom Flughafen Peking in den Stadtteil Dongcheng hat uns 93 Yuan (rund 15 CHF) gekostet. Die Taxifahrer benutzen einen Taxometer.
  • Die Distanzen in Peking sind riesig und das Metronetz dagegen nur grobmaschig. Somit läuft man schnell einmal ein bis zwei Kilometer zur nächsten Metrostation. Die Kosten für die Metrotickets bemessen sich nach Anzahl gefahrener Kilometer. Für Distanzen bis zu 6 Kilometer bezahlt man fürs Einzelticket 3 Yuan. Zwischen 6 bis 12 Kilometer 4 Yuan usw.. Am Automaten einfach Ausgangsort sowie Zielort anwählen und den angezeigten Betrag bezahlen (unabhängig davon, ob man die Linie wechselt oder nicht).
  • Der Zugriff auf Google-Dienste sowie verschiedene Social Media Plattformen ist in China übers WLAN gesperrt. Wenn ihr diese Plattformen während eures Aufenthalts nutzen möchtet, dann müsst ihr im Vorfeld einen VPN Client installieren. Ich nutzte VyprVPN, was im Mai 2018 funktionierte. Informiert euch aber am besten kurz vor dem Aufenthalt, welche VPNs aktuell nicht gesperrt sind.
  • Wer bei der Swisscom ein Roaming Datenpaket kauft (China ist «Welt 1» und 3GB kosten mit Stand Juni 2018 79.90 CHF) und via Roaming im Internet surft, hat weiterhin ohne VPN Zugang zu Google sowie Facebook & Co. Wir nutzten diesen Zugriff jeweils unterwegs für die Navigation mit Google Maps, da der Routenplaner (auch für die Metro) auf diesem Weg überraschend gut funktioniert.
  • Nicht gesperrt ist die Kartenapp von Maps.me. Als ohne VPN/Datenroaming funktionierende Alternative zu Google Maps lohnt sich der Download dieser App. Die Kartenausschnitte der jeweiligen Städte könnt ihr euch auch offline bereitstellen.

Kommentare

  • Thomas Juni 09, at 08:41

    Hallo, Mir gefällt Beijing auch besser als Shanghai. Beijing hat das größte U-Bahnnetz der Welt und mittlerweile erreicht man jede Sehenswürdigkeit mit der U-Bahn. Kenne Beijing noch als es gerade 2 Linien gab und man fast ausschließlich mit dem Bus fahren musste. Lg aus Beijing Thomas

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    • Anita Brechbühl Juni 09, at 12:15

      Hoi Thomas danke für deinen Kommentar. Ja die U-Bahn ist nicht schlecht, aber ich finde, sie ist im Vergleich zu anderen Städten eher grobmaschig aufgebaut.

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