Les Diablerets im schönsten Grau

Nachdem wir unser Wochenende in den Waadtländer Alpen mit einer Schneeschuhtour bei nahezu sonnigem Wetter starten konnten, zeigt sich der Himmel am nächsten Morgen in einem Einheitsgrau. Aber wie heisst es so schön – es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Zumindest ist es nicht nur grau, sondern Frau Holle schüttelt kräftig die Wolken und es rieselt perfekten Pulverschnee.

Wir schultern die Ski und begeben uns zur Talstation der Gondelbahn Villars – Roc d’Orsay, die nebst der Schmalspurbahn Bex-Villars-Bretaye die Wintersportgäste von Villars ins Skigebiet bringt. Wir sind mit einer sogenannten Alpes Vaudoise / Glacier 3000 Skitageskarte ausgerüstet (61 CHF zuzüglich 5 CHF Gebühr für Keycard). Dies bedeutet freie Fahrt im ganzen Skiverbund Villars-Gryon, Les Diablerets und dem Glacier 3000. Alternativ bietet sich auch die Möglichkeit, eine Tageskarte für 52 CHF Villars-Diablerets (ohne Gletscher) zu lösen. An einem nebligen Tag wäre das wohl eigentlich die sinnvollere Option, aber wir – respektive ich, will heute hoch hinaus.

Villars-RocdOrsay

Damit wir uns einen Überblick über den grossen Skiverbund – 70 Liftanlage und 225 Pistenkilometer warten darauf, entdeckt zu werden – verschaffen, traversieren wir vom Roc d’Orsay langsam Richtung Les Diablerets. Der Neuschnee ist perfekt und dank der vielen Tannen ist die Sicht besser als erwartet. Immer wieder muss ich stoppen, um die zahlreichen Chalets neben der Piste zu bestaunen. Es wird gemunkelt, dass das eine oder andere auch durchaus bekannten Persönlichkeiten gehört – aber wir sind ja verschwiegen ;).

Villars-Chalets

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Oben beim Chaux Ronde erinnert ein grosses Plakat an die zu beachtenden Zeit für die letzte Verbindung von Les Diablerets zurück nach Villars. Wie bei allen grossen Skigebieten sollte man auch hier die Zeit im Auge behalten. Wer die letzte Verbindung verpasst, dem bleibt nur die Möglichkeit via Bahn und Bus zurück nach Villars zu fahren und das dauert wesentlich länger als 10 Minuten Sesselliftfahrt.

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Wir fahren nun aber zuerst mit dem Sessellift Perche-Conche hinüber nach Les Diablerets. Jetzt könnte man ja meinen, so eine Sesselliftfahrt (ohne Windschutzhauben und Sitzheizung wohlverstanden) durch Nebelschwaden und Schneegestöber sei ätzend… Nun, falls ihr dies jetzt denkt, dann fahrt doch alle mal nach Villars und setzt euch auf genau diesen Sessellift!

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Villars-LesDiablerets

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Wir werden gemütlich durch eine idyllische und zauberhaft anmutende Winterlandschaft geschaukelt. Die erste Reihe der frisch eingepuderten Tannen ist noch gut sichtbar die hinteren Reihen verschwinden langsam im Nebel. Hach, wenn es nach mir ginge, hätte diese Liftfahrt ewig dauern können. Der Freund nebendran ist ab meinem stetigen „hach so schön“, „oh schau, so toll“… schon leicht genervt, als wir zum Glück wieder festen Boden erreichen. Les Diablerets, wir sind da. Schwungvoll ziehen wir unsere Kurven durch den Pulverschnee und fahren talwärts.

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Gegen 11 Uhr erreichen wir les Diablerets. Gerade richtig für eine kurze Pause inklusive heisser Schoggi Im gemütlichen Restaurant Vioz. Die eigenwillige Wetterauskunft vor dem Restaurant zeigt, hier haben die Leute die Sonne im Herzen. Wir stehen nun vor der Qual der Wahl – Skifahren im Gebiet Isenau, das sich am Nordosthang oberhalb vom Dorf befindet oder via Col du Pillon auf den Glacier 3000?

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Zugegebenermassen, bis vor wenigen Stunden war ich ja noch der Ansicht, dass „Les Diablerets“ und Glacier 3000 ein und dasselbe sind. Was für ein fataler Fehler. Les Diablerets ist ein entzückendes Dorf. Ein rustikales Chalet reiht sich ans andere. Hier findet man kaum mondänen Bauten oder sonstige Bausünden. Wieso um alles in der Welt wusste ich nicht, dass es diesen hübschen Ort überhaupt gibt?!

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Wenn sich in meinem Kopf mal eine Idee geformt hat, dann bin ich unschwer davon abzubringen. Trotz der widrigen Wetterbedingungen nehmen wir das Postauto zum Col du Pillon und fahren mit der Gondelbahn inklusive Bollywood-Unterhaltungsprogramm hinauf zum Gipfelrestaurant Botta. Das Panorama hier oben soll grossartig sein. Nun, ich kann das leider nicht bestätigen, denn ich sehe knappe 20 m weit… Das überdimensionierte Holz-Murmeltier steht etwas verlassen auf der verwaisten Aussichtsplattform.

Nicht weiter schlimm. Wir geniessen im Restaurant ein ordentliches Mittagessen (Burger und Älplermagronen) und kehren anschliessend nach Les Diablerets zurück. Irgendwann müssen wir dies bei Sonnenschein wiederholen, denn es soll hier oben ganz tolle Abfahrten geben.

Villars-Glacier-lesDiablerets LesDiablerets-Restaurant-Botta

Trotz fehlender Sonne ist die Zeit wie im Flug vergangen und plötzlich müssen wir uns ziemlich sputen, um den letzten Lift noch zu erwischen. Auf die Minute pünktlich erreichen wir den Sessellift Perche-Conche und geniessen nochmals die einzigartige Winterlandschaft.

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Den Tag lassen wir im ausgezeichneten Restaurant La Petite Table (Route de Solalex 68) gemütlich ausklingen. Einmal mehr hat sich gezeigt, auch grau kann ganz schön reizend sein!

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Infos und Tipps:

  • Sich die Zeit nehmen und kurz durch Les Diablerets spazieren
  • Für Seilbahnfreaks: Die Verbindung Les Diablerts – Isenau wird von einer nostalgischen Gondelbahn bedient
  • Für Skicracks: Die Wintersaison auf dem Gletscher dauert von Oktober bis Mai
  • Für Familien: Kinder unter 9 Jahren fahren die ganze Saison lang gratis Ski
  • Ab 4 Tagen kann ein Superpass (Verbindung Alpes Vaudoise und Gstaad Mountain Rides) gelöst werden

Hinweis: Mein Aufenthalt in den Waadtländer Alpen wurde von Villars-Gryon-Les Diablerets Tourisme unterstützt. Meine Leser dürfen wie immer sicher sein, dass ich hier stets meine Ansichten und Begeisterung vertrete.

Anita Brechbühl

Hallo ich bin Anita, leidenschaftliche Weltenbummlerin und Hobby-Fotografin. Ich liebe es, neue Flecken auf unserer wunderbaren Welt zu entdecken. Dabei gilt, das Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür! So bin ich nicht nur in exotischen Ländern sondern auch oft in der Schweiz unterwegs.

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