Serbien – ein Reiseland für Outdoorfans

Serbien – ein Reiseland für Outdoorfans

Wer hätte gedacht, in welch wilde Abenteuer wir uns in Serbien stürzen würden. „Höhlenerkundung“ tönt so auf dem Papier eigentlich nach einer ganz harmlosen Aktivität. Doch dazu später. Unsere Outdoor-Reise durch Westserbien startete gemütlich mit einer Fahrradtour durch Belgrads Stadtteil Novi Beograd, spannende Geschichten zu den massigen Bauwerken inklusive. Doch ganz so gemütlich sollte es nicht weitergehen.

#1 Paddeln auf der Donau

Unser erster Etappenstopp befindet sich rund 100 Kilometer nordwestlich von Serbiens Hauptstadt. Novi Sad ist die zweitgrösste Stadt in Serbien und bietet nicht nur eine hübsche Innenstadt, sondern auch lebhafte Strände an der Donau. An einem dieser Strände erwartet uns bereits die „schwimmende Insel“ des Donau Rafting Teams. Von Novi Sad aus bieten sie verschiedene Paddeltouren an (Tagestour ab 25 Euro). „Hi, ich bin Jugo“, begrüsst uns unser Guide und stösst zur Begrüssung mit einem Schnaps an „Ziveli!“. Das kann ja eine heitere Tour werden. Jugoslav aka Jugo, wie er sich selbst nennt, gehört zum Typ Überlebenskünstler. Bereits dreimal ist er die Donau von der Quelle bis zur Mündung ins Schwarze Meer runtergepaddelt und meint nun zu uns „du musst eins werden mit dem Wasser“. Wir tuckern mit der schwimmenden Insel, die gleichzeitig die Kanus und Kajaks transportiert, flussaufwärts und lassen uns dann mithilfe der Strömung der Donau flussabwärts treiben. Dabei bleibt genügend Zeit, die Landschaft zu geniessen und alle 30 Minuten hüpfen wir auf Jugos Kommando zur Abkühlung in die Donau. Gerade an einem solch sonnigen Sommertag ein wahrlich feucht-fröhliches Vergnügen.

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#2 Rund um Valjevo wandern

Von Novi Sad führt uns unsere Reise weiter ins rund 150 Kilometer entfernt liegende Valjevo. Die Kleinstadt liegt eingebettet zwischen den Gebirgszügen des Povljen und dem Maljen und ist somit idealer Ausgangspunkt für Wanderungen und andere sportliche Aktivitäten wie Rafting, Canyoning und Höhlenerkundungen. Als Erstes erkunden wir auf einer halbtägigen Wanderung die kulturelle und landschaftliche Vielfalt rund um das Städtchen. Wir folgen dem Fluss Gradac in südliche Richtung stadtauswärts. Das erste Highlight ist das prächtige Kloster Celije. Danach geht’s unzimperlich weiter. Wir wandern über Felder voller frisch duftender Minze, die wächst hier so wie bei uns die Brennnesseln. Wir pflücken eine Handvoll und tun sie als erfrischender Geschmacksgeber in unsere Wasserflaschen, die wir übrigens ohne Bedenken an jedem Wasserhahn mit frischem Trinkwasser füllen können. Weiter geht’s quer durchs Flussbett, und während die Schuhe im Anschluss an die Wanderung zum Trocknen in die Sonne gestellt werden, gibt’s zur Stärkung eine fangfrisch gegrillte Forelle.

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#3 Durch dunkle Höhlen klettern

Am Nachmittag stellt sich schnell heraus, dass die Wanderung entlang des Gradac Flusses nur das Aufwärmprogramm war. Mit unserem Guide Nemanja von Wild Serbia steuern wir nach dem Mittagessen eine der zahlreichen Höhlen in der Gegend an. Wir werden mit Helm, Gummistiefeln und einem äusserst sexy Überzug ausgestattet und nehmen einen ersten Augenschein. „Durch dieses Loch werden wir abseilen“, meint Nemanja und zeigt auf eine schmale Öffnung rund 25 Meter über unseren Köpfen. So richtig ernst nimmt ihn bei diesen Worten niemand. Doch als wir wenige Minuten später oben bei der Öffnung stehen und er in alle Ruhe die Seile ordnet, wird uns bewusst, dass wir tatsächlich da runter sollen. „Wer will als Erstes?“, fragt Nemanja. Stille. Keiner outet sich als Abenteurer. Mein Herz schlägt wie verrückt vor lauter Schiss, doch das Warten wird es nur schlimmer machen. Und so atme ich einmal tief ein und aus, trete vor und begebe mich rückwärts in die Ungewissheit. Fünf Minuten erreiche ich mit zitternden Füssen den Höhlengrund. Geschafft.

Beim nächsten Programmpunkt gönne ich mir die Jokerkarte. Nemanja führt unsere Truppe nämlich noch weit in die Tiefen der Höhle hinein. Der Freund, wagemutig, wie er ist (so als Mann, kann man halt nicht kneifen), geht tapfer mit. Zwei Stunden später kehrt er von Kopf bis Fuss verschlammt ans Tageslicht zurück. Nein, die Höhlenerkundung war definitiv kein schön präparierter Weg, sondern eine Klettertour vorbei an Fledermaushöhlen und durch enge Durchgänge bis tief hinein ins dunkle Erdreich. Wer Nervenkitzel sucht, der ist bei Wild Serbia an der richtigen Stelle.

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#4 Die Ovčar-Kablar-Schlucht erkunden

Unser vierter Stopp auf dieser Outdoor-Tour durch Serbien gehört zu den Top-Zielen für Naturliebhaber. In der Nähe der Stadt Čačak in Zentralserbien hat der Fluss Zapadna Morava zwischen den Bergen Ovčar und Kablar eine beeindruckende Schlucht geformt, die Bestandteil eines Nationalparks ist. Ausgehend vom Ort Ovčar Banja lässt sich die Gegend auf verschiedenen Wanderwegen erkunden. Für den schönsten Blick über die Ovčar-Kablar Schlucht ist etwas Schnauf gefragt, doch die Höhenmeter bis auf den Gipfel des Kablar sind es definitiv der Wert.

Ebenfalls sehenswert sind die 10 mittelalterlichen Klöster, die sich an die Berghänge des Ovčar und Kablar schmiegen. Wir sind nach der Gipfelbesteigung mit einem Boot flussabwärts getuckert und haben dem Kloster Nikolje einen Besuch abgestattet. Für die Mittagspause steuerten wir das Restaurant Santa Maria am Flussufer an und genossen einmal mehr die währschafte serbische Küche inklusive Schnaps.

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#5 Erholung auf dem Weingut – Wein aus Serbien

Auf dem Rückweg von Čačak nach Belgrad stoppten wir in Topola, das für die serbische Bevölkerung ein wichtiges kulturelles Zentrum ist. Das Städtchen war einst Serbiens administrative und politische Hauptstadt. Heutzutage ist im Stadtzentrum davon nichts mehr zu spüren. Die Hauptattraktion von Topola befindet sich einige Höhenmeter weiter oben auf dem Oplenac Hügel. Dort befindet sich das Mausoleum der serbischen Königsdynastie Karađorđević. Den detailreichen Erläuterungen zu den königlichen Geschichten hörte ich zugegebenermassen nur mit halbem Ohr zu. Royales ist nicht so meins. Stattdessen wanderten meine Augen staunend den einzelnen Mosaiksteinen entlang. Was für ein architektonisches Juwel.

Für einen Stopp in der Region Topola spricht nicht nur königliche Geschichte, sondern auch der fruchtbare Boden, auf dem süsse Trauben heranreifen. Was wäre eine Outdoor-Reise ohne ein gemütliches Nachtessen draussen in der Natur. Und so enden wir unsere Tour durch West- und Zentralserbien auf dem Weingut Vrbica bei Arandjelova und stossen mit einem edlen Tropfen auf die gemeinsam bewältigten Abenteuer an.

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Hinweis: Die Nationale Tourismusorganisation Serbien hat uns zu dieser Reise eingeladen. Vielen Dank hierfür! Meine Leser dürfen wie immer sicher sein, dass ich stets meine Ansichten und Begeisterung vertrete.

Anita Brechbühl

Hallo ich bin Anita, leidenschaftliche Weltenbummlerin und Hobby-Fotografin. Ich liebe es, neue Flecken auf unserer wunderbaren Welt zu entdecken. Dabei gilt, das Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür! So bin ich nicht nur in exotischen Ländern sondern auch oft in der Schweiz unterwegs.

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