Usbekistan Rundreise: Highlights zwischen Tashkent und Nukus

Usbekistan Rundreise: Highlights zwischen Tashkent und Nukus

Usbekistan war der letzte Etappenstopp unserer «grossen Reise» und so verrückt es scheint – seit unserer Rückkehr sind ebenfalls schon fast wieder sechs Monate vergangen. Diesen «finalen» Blogpost schiebe ich dementsprechend seit längerem vor mir her. Vielleicht liegt es daran, dass ich mit dem letzten Satz in diesem Blogbeitrag unsere Reise endgültig abschliessen werde und mich das wehmütig stimmt. Aber ich möchte nicht mit Altlasten ins neue Jahr starten und daher ist es an der Zeit, euch unsere Highlights aus Usbekistan zu zeigen.

Unsere Usbekistan Rundreise: Routenübersicht

Wir haben Usbekistan vom 8. Juni bis 26. Juni 2018 bereist und verbrachten insgesamt 19 Tage im Land. Unsere Rundreise war wie folgt gegliedert:

Teil 1: Trekking im Tschatkalgebirge

Von Tashkent aus haben wir einen 5-tägigen Abstecher ins Tschatkalgebirge unternommen. Alle Infos dazu habe ich hier verbloggt: Trekking in Usbekistan 

Teil 2: Kultur entlang der Seidenstrasse

Zurück vom Trekking sind wir der Seidenstrasse gefolgt und haben die kulturellen Highlights von Usbekistan erkundet. Unsere Route sah wie folgt aus:

2 Nächte in Samarkand
2 Nächte in einem Homestay im Nurata-Gebirge
1 Nacht am Ausläufer der Kysylkum
2 Nächte in Buchara
2 Nächte in Chiwa
1 Nacht in Nukus

Mit Ausnahme von Nukus orientiert sich unsere Usbekistan Reiseroute am Globotrek Angebot «die goldene Strasse nach Samarkand». Wie auch bei den restlichen Reiseetappen entlang der Seidenstrasse durch China, Kirgistan und Kasachstan haben wir die Fixpunkte (Hotel / Fahrer / Reiseguide) über Globotrek / Globotrain gebucht. Der Reiseanbieter kann die Rundreise ab zwei Personen zu beliebigen Daten individuell organisieren.

So, seid ihr bereit ins Land des Timurs und der Chevrolets einzutauchen? In den nachfolgenden Zeilen nehme ich euch mit auf unsere Usbekistan Rundreise und zeige die für uns schönsten und imposantesten Sehenswürdigkeiten in Tashkent, Samarakand, Buchara und Chiwa. Am Ende des Beitrages findet ihr jede Menge praktische Infos – unter anderem, ob ihr für eine Reise nach Usbekistan ein Visum benötigt und wann die beste Reisezeit ist.

Auftakt: spannende Sehenswürdigkeiten in Tashkent

Wir verbrachten insgesamt drei Nächte in Tashkent; unsere erste Nacht in Usbekistan vor dem Trekking, eine Nacht nach dem Trekking und die letzte Nacht vor dem Rückflug in die Schweiz. Somit standen uns knapp zwei Tagen für Sightseeing in der usbekischen Hauptstadt zur Verfügung. Wir logierten alle drei Nächte im Shodlik Palace Hotel, das nicht so übel ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Optisch eher na ja, liegt es in fussläufiger Distanz zur russischen Neustadt mit dem Memorial Square, dem Alisher Navoi Theater und dem Amir Timur Square; drei der beliebtesten Sehenswürdigkeiten dieses Stadtteils.

Tashkent Oper Amir Timur Platz Tashkent

Aufgrund eines schweren Erdbebens im April 1966, das weite Teile der damaligen Altstadt zerstörte, dominieren heute sowjetische Plattenbauten das Stadtbild. Bemerkenswert ist, dass es den Architekten und Planern trotz des schnellen Wiederaufbaus gelang, bei den Ausschmückungen der Fassaden traditionelle Elemente einzubauen. Besonders auffällig sind diese am Hotel Usbekistan sowie am Geschichtsmuseum.

State Museum of History of Usbekistan

Einen Gegensatz zur russischen Neustadt mit ihren schachbrettartigen Strassenzügen und breiten, baumgesäumten Alleen bildet das Wirrwarr der orientalischen Altstadt im Westen von Tashkent. Hier konnten sich die kleinräumigen Strukturen sowie einige historische Bauten halten. Einen lohnenswerten Stopp mitten im Gewusel ist der Chorsu-Basar mit seiner imposanten Markthalle und dem geschäftigen Treiben rundherum.

Tschorsu Basar Tashkent

Ebenfalls sehenswert ist der parkartige Hast-Imam-Komplex, der das religiöse Zentrum von Tashkent bildet. Ein Touristenmagnet ist hier die Muji-Mubarak-Medrese, worin der berühmte Osman-Koran ausgestellt ist (Osman war ein Schwiegersohn des Propheten Mohammeds). Während die weiteren Medresen und Moscheen innerhalb des Komplexes frei zugänglich sind, haben wir für den Zutritt in die Muji-Mubarak-Medrese einen Eintritt von 10’000 Soʻm bezahlt (rund 1,20 CHF).

Moscheen Altstadt Tashkent Kuppel Muji Mubarak Medrese Tashkent

Praktisch und eine Sehenswürdigkeit für sich ist die Metro von Tashkent. Die Metrostationen sind ähnlich imposant wie diejenigen in Sankt Petersburg und Moskau. Leider bestand bei unserem Besuch noch ein striktes Fotoverbot, das nun aufgehoben wurde.

Auf den Spuren von Ulugh Beg in Samarkand

Die schnellste und bequemste Art, um von Tashkent nach Samarkand zu gelangen, bildet der Afrosiab. Der Hochgeschwindigkeitszug verbindet die beiden Städte auf direktem Weg in etwas mehr als zwei Stunden Fahrzeit. Theoretisch besteht die Möglichkeit, Tickets online über die uzrailway Website zu bestellen. Hierfür sind aber russische Kenntnisse von Vorteil, weil die englische Übersetzung keine Ortsnamen überträgt.

In Samarkand logieren wir im empfehlenswerten Malika Prime Hotel, das strategisch günstig zwischen Registan und russischer Neustadt liegt. Bei zwei Übernachtungen vor Ort bleiben uns nach der Anreise nun 1.5 Tage, um Samarkand zu erkunden. Ursprünglich war vorgesehen, dass wir Samarkand am ersten Tag alleine besichtigen und am zweiten Tag mit einem Reiseguide unterwegs sein werden. Bei unserer Ankunft in Samarkand wird uns – zu unserer Überraschung – mitgeteilt, dass uns ab diesem Zeitpunkt bis zum Schluss der Reise durchgehend ein Reiseguide begleitet. Was von der usbekischen Agentur als nette Geste gemeint ist (und ihnen vermutlich organisatorisch einiges erleichtert), löst bei mir im ersten Moment keine Begeisterung aus. Ich schätze es, wenn ich mir einen ungefilterten ersten Eindruck von neuen Orten machen kann und hatte mich darauf gefreut, Samarkand eigenständig zu «erfahren». Kurzerhand gebe ich unserem Guide für den ersten Nachmittag frei.

Die verbleibende Zeit nutzen wir für einen Spaziergang durch die russische Neustadt und das ehemalige jüdische Viertel. Diese beiden Gebiete werden in der Regel nicht von geführten Touren angesteuert, da sie keine der top Sehenswürdigkeiten von Samarkand beinhalten. Mir hat aber insbesondere das jüdische Viertel gefallen, das sich auf der Ostseite des Registan hinter unscheinbaren Bretterwänden versteckt. Das verwinkelte Gassensystem ist noch gut erhalten (und noch nicht den Bulldozern zum Opfer gefallen). Leider weisen zahlreiche bröckelnde Lehmbauten darauf hin, dass die Stadt kein Interesse am Erhalt dieser historischen Strukturen hat. Die Unesco hat Samarkand diesbezüglich auch schon gerügt.

Am nächsten Morgen werden wir von unserem Guide abgeholt. Heute stehen die Highlights von Samarkand auf dem Programm. Erster Stopp: das Gur-Emir-Mausoleum, das sich direkt neben unserem Hotel befindet (Eintritt 22’000 Soʻm pro Person).

Samarkand gur Emir Mausoleum

Danach spazieren wir der Registan Street entlang bis zum Registan – das Wahrzeichen von Samarkand. Drei Bauten prägen den majestätischen Platz; Die Ulug-Beg-Medrese, die Tillya-Kari-Medrese und die Schirdor-Medrese. In allen drei Gebäuden wurde ursprünglich islamische Wissenschaften unterrichtet (daher der Begriff «Medrese»).

Die Ulug-Beg-Medrese als ältestes Gebäude auf dem Platz wurde im 15. Jahrhundert errichtet. Die beiden anderen Bauten kamen 200 Jahre später hinzu. Ein beeindruckendes Ensemble, das insbesondere in den Abendstunden seine volle Schönheit entfaltet. Der Eintritt kostet 33’000 Soʻm pro Person – ausländische Touristen bezahlen meist deutlich mehr als die inländischen Gäste. Interessanterweise wurde von uns entgegen der Angaben im Reiseführer nirgends eine zusätzliche Fotogebühr verlangt.

Eine weitere Sehenswürdigkeit in der Umgebung des Registans ist die Bibi-Chanum-Moschee (Eintritt 22’000 Soʻm pro Person) und der Siyob-Basar direkt dahinter.

Samarkand 1001 Nacht Samarkand Bazaar

Etwas, dass ihr unbedingt in euren Rundgang durch Samarkand integrieren solltet, ist der Besuch eines authentischen Plov Centers. Plov (Pilaw) ist eines der Nationalgerichte Usbekistans und in den sogenannten Plov Center wird ausschliesslich um die Mittagszeit herum Plov serviert. Das Plov Center, das wir besuchten, befand sich auf dem Weg zur Papierfabrik Meros nordöstlich des Zentrums. Der Besuch der alten Papierfabrik, wo nach traditionellem Verfahren Papier aus Maulbeerbaumrinde hergestellt wird, lohnt sich, wenn ihr mit einem Fahrer unterwegs seid.

Samarkand Plow Center

Ebenfalls ausserhalb des Zentrums befindet sich das Ulug-Beg-Observatorium. Neben der restaurierten Sternwarte, wo der Timuriden-Fürst Ulug Beg ab Beginn des 15. Jahrhunderts astronomische Beobachtungen durchführte, gibt es ein modernes Museumsgebäude mit Informationen rund um die wissenschaftlichen Tätigkeiten des damaligen Herrschers.

Samarkand Ulugbeg Observatorium

Den letzten Stopp unserer Sightseeingtour, bevor wir uns pünktlich zur Blue Hour erneut vor dem Registan einfinden, legen wir bei der Schah-i Sinda Gräberstadt ein (Eintritt 12’000 Soʻm pro Person). Die Besichtigung der Nekropole ist spannend, da man hier die gesamte Bandbreite der timuridischen Baukunst zu sehen bekommt. Blaue Kachelkunst so weit das Auge reicht!

Samarkand Shohizinda Nekropolis Registan in Samarkand

An manchen Abenden finden am Registan imposante Lasershows statt. An welchen Tagen und um welche Uhrzeit die durchgeführt werden (oder ob das einzig von zahlungsbereiten Grossgruppen abhängt) wusste auch unser Guide nicht mit Sicherheit. An den zwei Abenden, an denen wir vor Ort waren, fand nichts statt. Versucht euer Glück und schaut kurz nach dem Eindunkeln beim Registan vorbei.

Abstecher ins Nurata-Gebirge & Homestay

Nach diesem kulturell prall gefüllten Tag in Samarkand freue ich mich, dass es nun nochmals raus in die Natur geht. Während viele Touranbieter von Samarkand aus Tagesausflüge nach Shahrisabz – der Geburtsstadt des grossen Timurs – durchführen, lassen wir diesen Abstecher bewusst aus. Unser Guide bestätigt, was wir an verschiedenen Stellen gelesen haben; im Rahmen von «Renovierungsarbeiten» wurde ein grosser Teil der Altstadt von Shahrisabz «zugunsten» von opulenten Parkanlagen dem Erdboden gleichgemacht. Ein «Renovierungsstil», der uns an die chinesischen Methoden erinnert (interessanterweise haben die Chinesen auch bei einigen usbekischen Projekten ihre Finger mit im Spiel). Die Unesco hat reagiert und Shahrisabz 2016 auf der Roten Liste als «gefährdet» eingestuft.

Von all dem sind wir im Nurata-Gebirge meilenweit entfernt. Der ockergelbe Gebirgszug erstreckt sich zwischen der alten Königsstrasse, die Samarkand mit Buchara verbindet, und dem Aydarsee. In den abgelegenen Bergdörfern kann man in einfachen Homestays ins ländliche Leben der usbekischen Bevölkerung eintauchen. Unsere Gastgeber im Yahshigul’s Guesthouse in Asraf sind Tadschiken. Dass ist nicht so ungewöhnlich, wie es im ersten Moment scheint. In der Gegend rund um Samarkand, Buchara und im Nurata-Gebirge machen die Tadschiken einen wesentlichen Anteil der Bevölkerung aus. Die Zimmer im Yahshigul’s Guesthouse sind simpel mit je zwei schmalen Betten und einer Lampe ausgestattet. Es gibt zwei Gemeinschaftsduschen, einen Essbereich und gemütliche Taptschans unter schattenspenden Obstbäumen. Nur der im Reiseführer beschriebene plätschernde Bergbach, der quer durchs Anwesen fliesst, höre ich nirgends. Ich erkunde mich bei unseren Gastgebern und erfahre, dass im letzten Winter der Schnee ausblieb und die Quelle versiegte. Nun greifen sie auf Grundwasser zurück. Es bleibt zu hoffen, dass der nächste Winter dieser kargen Landschaft den dringend benötigten Schnee bringt!

Am Abend helfen wir unseren Gastgebern beim Rüsten der Plov-Zutaten und bekommen danach ein richtig feines Nachtessen serviert.

Bergdorf Asraf Nurata Usbekistan Orangenbaum Nuratau Gebirge Plow Vorbereitung Karaotten Schnitzen Nurata Berge Homestay Usbekistan

Wir verbringen auch hier zwei Nächte, damit wir genügend Zeit für eine Tageswanderung ins Nachbardorf Uhum haben. Es bestehen auch Angebote, wo man mit Esel von einem Bergdorf zum nächsten wandert und jeweils in einem anderen Guesthouse übernachtet. Infos zu den verschiedenen Angeboten findet ihr auf der Website von Nuratau Responsible Travel. Leider haben wir auf unserer Wanderung keines der hier heimischen und vom Aussterben bedrohten Kyzilkum-Wildschafen gesichtet. Dafür sind uns zahlreiche neugierige Ziegen begegnet.

Wandern im Nuratau State Reserve

Jurtennacht in der Kysylkum Wüste

Wer Usbekistan bereist, wird ausser den paar wenigen Jurtencamps für Touristen keine Jurten zu sehen bekommen. Im Gegensatz zu Kirgistan, Kasachstan und der Mongolei, wo die Jurte auch heute noch weit verbreitet ist, haben sich in Usbekistan Lehmhäuser als traditionelle Behausung durchgesetzt. Das Jurtencamp (Kyzyl Kum Safari Yurt Camp) unweit des Ufers des Aydarsees wird dann auch von einer kasachischen Familie betrieben. Spannend finde ich, dass der Aydarsee 1969 als unbeabsichtigtes Nebenprodukt von sowjetischen Planungen entstand. Bis dahin war das Gebiet einer trockenen Salzpfanne mit saisonalen Brackwasserseen. Der Abstecher zum Aydarsee lässt sich auch ohne Übernachtung im Jurtencamp in einen Transfer Richtung Buchara einbauen.

Meine Empfehlung: Verzichtet auf die Übernachtung im Jurtencamp und plant stattdessen drei Nächte in unterschiedlichen Gästehäusern im Nurata-Gebirge ein.

Aydarsee Usbekistan Jurtencamp Usbekistan

Historische Prachtsbauten in Buchara

Nach der Nacht in der Jurte führt uns die Reise via Navoi nach Buchara. Auf Empfehlung unseres Guides legen wir gut 20 Kilometer vor Navoi einen Stopp bei der Karawanserei Rabat-i Malik ein. Die Ruinen sind Zeitzeugen aus der Epoche, als der Handel an der Seidenstrasse florierte. Original erhalten ist zwar nur das Hauptportal, aber im Gegensatz zu vielen anderen historischen Bauwerken in Usbekistan wurde hier nicht gross «reingepfuscht». Dank der sichtbaren Fundamente erhält man eine Vorstellung davon, mit wie vielen Räumen das 91×89 m grosse Gebäude ausgestattet war. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite befindet sich zudem ein restaurierter Wasserspeicher aus dem 14. Jahrhundert, der immer noch über ein unterirdisches Bewässerungssystem (Karez) mit Wasser gespiesen wird.

Karawanserei Rabat i Malik

Ein weiterer lohnender Abstecher auf der Fahrt nach Buchara ist die Töpferei Narzullaev in Gijduvan. In jeder Region des Landes gibt es Töpferschulen und dementsprechend auch ortstypische Stile und Motive. Der Betrieb der Familie Narzullaev bietet einen schönen Einblick in den traditionellen Herstellungsprozess des Keramikgeschirrs und die Preise sowohl für die Keramik-Produkte als auch für die Suzani (traditionelle usbekische Seidenstickereien) sind im Vergleich zu den Souvenirgeschäften in Buchara, Chiwa und Samarkand sehr fair.

Töpferei Gijduvan

In Buchara übernachten wir im hübsch gestalteten Hotel Sasha & Son, das ideal gelegen ist, um die Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt zu Fuss zu erkunden. Die Ursprünge von Buchara reichen bis in die Antike zurück und die Dichte an historischen Bauten ist beeindruckend. Leider wurde nicht überall gleich sorgfältig restauriert und an einigen Stellen mussten historische Strukturen zugunsten der besseren Inszenierung der einzelnen Sehenswürdigkeiten weichen.

Wir starten unseren Rundgang im Westen der Stadt beim Samaniden-Mausoleum im gleichnamigen Park. Die Grabstätte Ismail Samanis ist das älteste erhaltene Zeugnis islamischer Architektur in Zentralasien. Am Rande der Parkanlage befindet sich ein weiteres Mausoleum mit einem Quellbrunnen, das der Legende nach Hiob mit einem Stab aus dem Felsen geschlagen hat. So erklärt sich auch der Name des Mausoleums, das «Hiobsbrunnen» genannt wird.

Samaniden Mausoleum Buchara

Im Anschluss besichtigen wir die Bolo-Hovuz-Moschee mit ihren imposanten Holzsäulen und der direkt vis-à-vis davon gelegene Ark – die wuchtige Zitadelle ist eines der Wahrzeichen der Stadt (Eintritt 15’000 Soʻm pro Person).

Freitagsmoschee Buchara Buchara Zitadelle

Ein weiteres Wahrzeichen ist der Kalon-Komplex mit dem gleichnamigen Minarett. Beeindruckend ist, dass der 45 m hohe Turm aus vormongolischer Zeit stammt und Dschingis Khan ab diesem Bauwerk angeblich derart beeindruckt war, dass er es im Gegensatz zum Rest der Stadt nicht zerstörte. Der Turm ist heute leider nicht mehr zugänglich, dafür kann man die Kalon-Moschee direkt daneben besichtigen. Zum Ensemble des Platzes gehört zudem die Mir-i-Arab-Medrese, die als einzige Medrese des Landes seit dem 16. Jahrhundert bis heute beinahe durchgehend als religiöse Lehranstalt genutzt wird (einzig unter der Herrschaft von Stalin blieb sie für 16 Jahre geschlossen).

Sehenswürdigkeiten in Buchara Kalon Muschee Buchara Mir i Arab Moschee

Etwas versteckt in einem Wohnviertel findet sich die markante Tschor-Minor-Medrese von der zwar nur der Torbau erhalten ist, dieser aber mit seinen vier markanten Türmen ein ganz eigenen Auftritt erhält.

Tschor Minor Medrese

Buchara ist derart vollgepackt mit Sehenswürdigkeiten, dass es sich in jedem Fall lohnt, zwei volle Tage fürs Sightseeing einzuplanen. Nebst den hier bereits erwähnten Spots gibt es noch ein gut erhaltenes jüdisches Viertel, den Gebäudekomplex «Labi Chaus» rund um die künstlichen Teiche im Zentrum und die überkuppelten Basare mit Teppich- und Gewürzhändlern. Unweit vom Labi Chaus lohnt sich zudem der Blick in den Laden des Puppenmachers Khakimov, der hier Puppen nach alter bucharischer Tradition herstellt.

Insgesamt entspricht Buchara wohl am ehesten der «Tausendundeine Nacht» Szenerie, mit der eine Reise entlang der Seidenstrasse oftmals beschrieben wird. Auf der anderen Seite wirkt Buchara im Zentrum durchaus ein Spürchen «mondän» und ist deutlicher vom Tourismus geprägt, als Samarkand.

Bezauberndes Chiwa & die Kultur der Choresmier

Einzig Chiwa kann Buchara noch toppen. Einst Hauptstadt des Khanats Chiwa in Choresmien, beherbergt die ummauerte Altstadt von Chiwa heute über 50 historische Bauten. Für die Besichtigung der einzelnen Sehenswürdigkeiten bezahlt man beim Durchschreiten der Stadttore einmal pauschal Eintritt (100’000 Soʻm pro Person). Wer nur durch die Gassen schlendern möchte, muss kein Eintrittsticket kaufen!

Wir nächtigen in Chiwa nochmals in einem Hotel der Malika Gruppe, das direkt gegenüber dem Hauptzugang zur Altstadt liegt. Auch wenn die Baudenkmäler von Chiwa kein so hohes Alter haben, wie diejenigen in Samarkand oder Buchara, hat mir das erstaunlich gut erhaltene und kompakte Stadtbild aus dem 19. Jahrhundert sehr gefallen. Wir hatten insofern Glück, dass wir Usbekistan in der Nebensaison bereisten und vom Andrang von Reisegruppen verschont blieben. Zwischenzeitlich hatten wir die Gassen von Chiwa für uns alleine. Ich kann mir jedoch gut vorstellen, dass die schmalen Wege schnell einmal überbevölkert wirken und der Stadt dann auch das entspannte Flair verloren geht.

Stadttor von Chiwa

Meine Highlights in Chiwa sind die Stadtmauer (einen Zugang hinauf auf die Mauer befindet sich beim Nordtor), die mystische Dschuma-Moschee mit den markanten Holzsäulen sowie das 57 m hohe Islam-Hodscha-Minarett, das mit seiner Aussichtsplattform den besten Ausblick über die Stadt bietet. Für den Aufstieg zum Turm zahlt man 10’000 Soʻm extra pro Person, aber das lohnt sich in jedem Fall!

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Krasse Gegensätze in Karakalpakstan

Samarkand, Buchara und Chiwa sind fixer Bestandteil eines klassischen Usbekistan-Rundreise-Programms. Deutlich weniger Touristen fahren weiter in den Norden in die autonome Republik Karakalpakistan. Ein Begriff ist hier der Aralsee, den wir aber von unserer Reiseroute ausklammerten. Dafür wollte ich mir Nukus, die Hauptstadt von Karakalpakistan, ansehen. Die Stadt an sich hat keinen besonderen Charme, beherbergt aber im Igor-Savitsky-Museum eine aussergewöhnliche Sammlung an russischer und sowjetischer Avantgardekunst. Jetzt ist es nicht so, dass ich mich in diesem Gebiet besonders gut auskennen würde. Aber mich dünkte dies ein spannender Kontrast zur vorangegangenen Reiseroute, die von der islamischer Baukunst geprägt ist.

Die gut dreistündige Fahrt über holprige Provinzstrassen (200 Kilometer) von Chiwa nach Nukus lässt sich mit Stopps bei einer der zahlreichen «Kalas» auflockern. Die befestigten Siedlungen, von denen heute nur noch Ruinen stehen, datieren aus einer Zeit, wo der Amudarya weiter östlich verlief und das südliche Karakalpakistan mit fruchtbarem Schwemmland gesegnet war. Wir besichtigen die Festungsanlagen Ayaz Kala 1 und 2, wobei die höher gelegene und grössere Befestigung Ayaz Kala 1 den besten Rundblick über die Wüstenlandschaft bietet.

Ayaz Kala Festung Karakalpakstan

Unser Aufenthalt in Nukus fällt auf einen Sonntag/Montag und der Museumsbesuch ist eigentlich auf den Montag eingeplant. In letzter Minute stellen wir mit Schrecken fest, dass das Museum neu montags geschlossen hat. Blöderweise gibt es zwei verschiedene Websites, wovon eine zwar besser auffindbar ist, aber die Infos drauf veraltet sind. Die aktuellen Angaben findet ihr hier: Karakalpakstan State museum of Art. Die Ausstellung haute mich insgesamt nicht vom Hocker. Die meisten Räumlichkeiten waren schlecht ausgeleuchtet (die Hälfte der Lampen waren nicht eingeschaltet) und dementsprechend kamen die einzelnen Kunstwerke nicht recht zur Geltung. Trotzdem hat sich diese Zusatzschlaufe nach Nukus gelohnt – schon nur um ein gesamtheitlicheres Bild von Usbekistan zu erhalten.

p.s. das Savitsky Museum war übrigens der einzige Ort, wo wir fürs Fotografieren hätten extra bezahlen müssen. Die Gebühr von 192’000 Soʻm war es uns aber nicht wert.

Nukus Igor Savisky Museum

Von Nukus geht es mit dem Flugzeug via Tashkent zurück in die Schweiz. Während andere Reisende ihre Langzeitreise mit relaxten Strandferien beenden, haben wir uns zum Abschluss unserer 6-monatigen Reise ein skurriles Kunstmuseum mitten in Zentralasien angeguckt – ich würde meinen, das passt doch ganz gut!

Gut zu wissen: braucht man für Usbekistan ein Visum?

Wir bereisten Usbekistan im Juni 2018. Visumstechnisch war das vermutlich der dümmst mögliche Zeitpunkt. Denn bis Ende Juni 2018 benötigte man als Schweizer / Schweizerin für Reisen nach Usbekistan ein Visum, dass man auf der Botschaft der Republik Usbekistan in Berlin einholen musste, da Usbekistan keine Vertretung in der Schweiz hat. Wir mussten unsere Pässe somit nach Deutschland schicken, was mit entsprechenden Kosten verbunden war.

Seit Juli 2018 ist das nicht mehr nötig. Usbekistan hat zu diesem Zeitpunkt das e-Visa für bestimmte Staaten eingeführt (darunter die Schweiz, Deutschland und Österreich). Nun könnt ihr euer Visum online gegen eine Gebühr von 20$ beantragen. Eine hilfreiche Schritt für Schritt Anleitung findet ihr hier: so beantragst du ein elektronisches Visum für Usbekistan. Die offizielle Visum-Seite habe ich euch hier verlinkt: Official electronic visa portal of the Republic of Uzbekistan

Weitere Praktische Tipps für deine Usbekistan Reise

  • Die Amtssprache von Usbekistan ist Usbekisch sowie die karakalpakische Sprache in Karakalpakistan, wobei ein Grossteil der Bevölkerung auch Russisch versteht. Wer individuell ohne Guide/Fahrer durchs Land reist, dem empfehle ich, einen Grundwortschatz Russisch anzueignen.
  • Die offizielle Währung in Usbekistan heisst Soʻm. Nach wie vor sind Dollars aber ein beliebtes Zahlungsmittel, da der Soʻm einer hohen Inflationsrate ausgesetzt ist. Wir hatten keine Mühe, mit unserer Kreditkarte (Visa) an ausgewählten Bankomaten in Tashkent und Samarkand Soʻm zu beziehen und mussten keine Wechselstuben aufsuchen (EC-Karten werden hingegen an keinem Automaten akzeptiert). Macht euch einfach darauf gefasst, dass ihr einen riesigen Berg an Geldscheinen erhält und eine einzelne Note kaum was wert ist. Als Backup nehmt ihr am besten Dollars mit.
  • Von 1991 bis 2016 war Islom Karimov Staatspräsident Usbekistans und prägte die introvertierte und repressive Entwicklung des Landes in den letzten 25 Jahren. Unter dem neuen Präsidenten Shavkat Mirziyoyev findet seit anfangs 2017 eine langsame Öffnung statt.
  • April / Mai und September / Oktober gelten als beste Reisezeit für Usbekistan. In diesen Zeiträumen sind jedoch auch die meisten Reisegruppen unterwegs. Wir bereisten das Land im Juni und fanden es super. Die Temperaturen waren erträglich – einzig in Buchara und Chiwa erlebten wir Tage an denen es über 30° warm wurde.
  • Samarkand, Buchara und Nukus sind von Tashkent aus direkt mit der Bahn erreichbar. Alternativ sind Sammeltaxis (normale Pkws) oder Marschrutkas (Minibusse) das günstigste und beliebteste Transportmittel der Einheimischen. Die Mehrheit der Touristen ist jedoch mit einem Fahrer unterwegs.
  • Wer günstig essen möchte, der kehrt am besten in Teehäusern ein. Hier werden meist traditionelle Gerichte wie Plow, Manti, Laghman und Schaschlik aufgetischt. In Chiwa solltet ihr auf jeden Fall die Grünen Nudeln probieren – das ist eine lokale Spezialität. In Teehäusern und Plow Center zahlt man zu zweit für ein Mittagessen zwischen 30’000 und 40’000 Soʻm (rund 4 bis 5 CHF). In touristischeren Restaurants kostet ein Essen zu zweit um die 100’000 Soʻm (rund 12 CHF).
  • Für die Besichtigung der meisten Sehenswürdigkeiten ist jeweils vor Ort ein Eintrittsticket zu lösen. Die Preise variieren für ausländische Touristen zwischen 10’000 bis 30’000 Soʻm pro Sehenswürdigkeit. Moscheen, die noch aktiv als solche genutzt werden, können hingegen in der Regel kostenlos besichtigt werden, wobei man sich vor Ort über eine kleine Geldspende freut. Es wird nicht erwartet, dass Frauen bei der Besichtigung ein Kopftuch tragen.
  • Wir hatten das Usbekistan-Reisehandbuch von Dumont Verlag dabei und fanden es gut aufbereitet und informativ (wobei bei der Auflage 2017 bereits wieder einige Infos veraltet waren – insbesondere Preisangaben) .

Hinweis: unsere Reise nach Usbekistan wurde von Globotrek unterstützt. Alle Eindrücke und Meinungen sind wie immer die unseren.

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