Fählensee – wo mich der Alpstein verzaubert hat

Fählensee – wo mich der Alpstein verzaubert hat

Es „hudlet und chutet“ in Brülisau. Der Wind pfeift uns nur so um die Ohren. Nachdem wir uns am Vortag auf der idealen Appenzellerland Einsteigerroute bereits ein kleines bisschen in den Alpstein verguckt haben, wollen wir heute in die Tiefen des Bergmassivs vordringen. Doch der Plan scheint beinahe zu scheitern. Der Föhn bläst so stark, dass die Seilbahn auf den Hohen Kasten den Betrieb eingestellt hat. Was nun? Das wäre doch der Ausgangspunkt für unsere Höhenwanderung via Staubern und Saxerlücke bis zu unserem Tagesziel dem Berggasthaus Bollenwees am Fählensee.

Als alternative Routen kommen die Wanderwege via Brüeltobel oder via Berggasthaus Ruhesitz infrage. Doch irgendwie fuchst es mich, dass wir so das wunderschöne Panorama entlang der Höhenwanderung verpassen werden. Wir entschliessen uns, bis zum Gasthaus Ruhesitz zu wandern und dort spontan zu entscheiden, ob wir nicht vielleicht doch den Hohen Kasten zu Fuss erklimmen wollen. So weit entfernt scheint er ja auch wieder nicht zu sein…

Vorbei an typischen Appenzeller Bauernhäuser führt der Weg über sattgrüne Matten durch eine pittoreske Idylle. Trotz starken Windböen, erreichen wir das Gasthaus Ruhesitz schneller als erwartet. Mit einem „ach komm, jetzt sind wir ja eigentlich schon fast oben“, beschliessen wir spontan, nun doch den ursprünglich geplanten Weg via Hohen Kasten in Angriff zu nehmen. Den 72 Meter hohen Sendeturm und das markante Felsmassiv direkt vor Augen bewältigen wir die fehlenden Höhenmeter im Nu. Nach knapp zwei Stunden stehen wir auf der Terrasse des Drehrestaurants und lassen den Blick über das Rheintal gleiten. Wobei die Sicht aufgrund des unbeständigen Wetters leider etwas zu dunstig ist, um das Panorama in seiner ganzen Pracht zu erfassen. Zur Belohnung für die unerwartet sportliche Leistung (eigentlich hätten wir ja bis zum Gipfel kein Tröpfchen Schweiss vergiessen sollen) genehmigen wir uns im Drehrestaurant eine Portion Chäshörnli. Das reicht gerade, um einmal das 360° Panorama von allen Seiten zu begutachten.

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Gestärkt begeben wir uns auf den ersten Geologischen Wanderweg der Schweiz. Mittels am Wegrand angebrachten Tafeln werden den interessierten Wanderern verschiedene Phänomene der Geologie erklärt. Für mich die ideale Gelegenheit, eingerostetes Wissen aus dem Studium wieder aufzufrischen. Der Wanderweg führt vom Hohen Kasten in einem stetigen Auf und Ab bis zur Staubernkanzel und von dort entlang steiler Felswände weiter bis zur Saxerlücke, wo sich der beeindruckende Sax-Schwende-Bruch befindet. Unterwegs lassen wir unsere Augen immer mal wieder nach links und rechts schweifen und geniessen auf der einen Seite den Ausblick ins Rheintal und nach Österreich und auf der anderen Seite den Blick über die engen Alpentäler und schroffen Felswände des Alpsteins.

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Nach dem steilen Abstieg von der Saxerlücke zum Fählensee, steht einem relaxten Abend inmitten beeindruckender Landschaft nichts mehr im Weg. Mit seiner Lage direkt am Ufer vom See mit Blick auf die steil abfallenden Felsflanken der Widderalpstöcke auf der einen sowie der Saxerfirst und Kreuzberge auf der anderen Seite bietet das Berggasthaus Bollenwees ein fantastisches Panorama. Doch das Highlight sind die neuen Fählensee-Zimmer, wo wir untergebracht sind. Ich kann den Fählensee und die mächtigen Gipfel des Talendes vom Bett aus bestaunen. Halleluja, was für ein wunderbares Plätzchen.

Bevor wir müde ins Bett fallen, statten wir noch der Furgglenalp einen Besuch ab. Auf der Alp kann man nicht nur Käse kaufen und für sagenhafte 8 CHF im Matratzenlager (entweder über dem neuen Laufstall oder über dem Schweinestall) übernachten, sondern allabendlich um 20:00 Uhr dem Betruf – einem Alpsegen in Form eines Ave-Maria Sprechgesangs – beiwohnen.

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Am nächsten Morgen werde ich um halb sechs Uhr schrill aus der süssen Traumwelt geweckt. Noch im Halbschlaf blicke ich aus dem Fenster und bin sofort hellwach. Was ich draussen erblicke, ist so zauberhaft schön, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Der Föhn hat nachgelassen und der Fählensee präsentiert sich in der Stille der frühen Morgenstunden wie ein riesiges Kaleidoskop. Schnell ziehen wir uns warm an und wandern in der Frühe dem See entlang bis an sein hinterstes Ende, wo sich die Fählenalp umringt von mächtigen Felswänden befindet. Das märchenhafte Lichtspektakel dauert nur wenige Minuten, doch es reicht, um mich zu bezaubern. Die pure Schönheit des Moments, wo die Sonnenstrahlen langsam die Bergflanken hinunterwandern und sich die Nebelschwaden langsam zurückziehen werde ich nie mehr vergessen.

Auf der Fählenalp schauen wir Bruno Moser während den frühen Morgenstunden über die Schulter und bekommen einen Einblick in die Vielfalt der Alpkäseproduktion. Das Rezept können wir ihm aber nicht entlocken. Auch er hütet das Geheimnis seiner Mischung wie ein wertvoller Schatz.

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Gegen neun Uhr sind wir zurück im Gasthaus Bollenwees und genehmigen uns das wohlverdiente Frühstück. Draussen hat das Wetter komplett umgeschlagen. Dunkle Wolken sind aufgezogen und ein schwacher Regen hat eingesetzt. Uns ist das egal. Die fünf spektakulären Minuten am frühen Morgen haben uns den Tag genügend versüsst. Wir hatten das Glück, einen Blick auf die rohe Schönheit des Fählensees zu erhaschen.

Nach dem Frühstück begeben wir uns auf den Rückweg und sind froh, dass wir die anspruchsvolle Tour über den Grat bereits hinter uns haben und nun gemütlich den Talflanken folgen können. Das letzte Wegstück vom Gasthaus Ruhesitz hinunter nach Brülisau bewältigen wir auf eine rasante Art und Weise und erreichen Brülisau zwar pflotschnass aber prall gefüllt mit fabelhaften Eindrücken aus dem Alpstein. Eins ist klar: wir kommen wieder!

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Die Karte zeigt unseren Routenverlauf. Die Strecke der ersten Etappe (Brülisau – Hoher Kasten – Bollenwees) ist rund 12.5 km lang und beinhaltet eine Steigung von 1’250 Höhenmetern und ein Gefälle von rund 700 Höhenmetern. Die reine Laufzeit beträgt ca. 5.5 Stunden. Der Rückweg Richtung Ruhesitz beträgt knapp 7 km und verläuft mehrheitlich eben. Der Weg führt an der Alp Rainhütten vorbei, wo Alpkäse verkauft wird.

Infos und Tipps:

  • Eine Übernachtung im Berggasthaus Bollenwees kostet 42 CHF pro Person (Matratzenlager) und im Doppelzimmer 84 CHF pro Person
  • Ab Bollenwees kann man beispielsweise auch via Zwinglipass und Rotsteinpass auf den Säntis weiterwandern
  • Im Sommer kann man im Fählensee baden – Badehose nicht vergessen
  • Auf der Fählenalp, der Furgglenalp und der Alp Rainhütten wird Bergkäse verkauft.
  • Die meisten Alpbetriebe bieten Ferienwohnungen oder einfache, günstige Matratzenlager an
  • Die Fahrt auf den Hohen Kasten (wenn die Bahn fährt ;)) kostet 24 CHF einfach
  • Beim Gasthaus Ruhesitz kann man für 15 CHF ein Trottinett inkl. Helm für die 3km lange Abfahrt nach Brülisau mieten

Hinweis: Mein Aufenthalt im Appenzellerland wurde von Appenzell Tourismus unterstützt. Vielen Dank hierfür! Meine Leser dürfen wie immer sicher sein, dass ich stets meine Ansichten und Begeisterung vertrete.

Anita Brechbühl

Hallo ich bin Anita, leidenschaftliche Weltenbummlerin und Hobby-Fotografin. Ich liebe es, neue Flecken auf unserer wunderbaren Welt zu entdecken. Dabei gilt, das Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür! So bin ich nicht nur in exotischen Ländern sondern auch oft in der Schweiz unterwegs.

Kommentare

  • Larissa Mai 06, at 20:25

    WOW! Die Fotos sind der Wahnsinn! Vor allem die Spiegelungen im Wasser sind beeindruckend! Liebe Grüße Larissa http://lariberli.blogspot.de

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  • Sandmann68 Dezember 10, at 10:49

    Hallo, wir waren in diesem Jahr das erste Mal seit Jahren wieder am Fählensee, aber solche Bilder sind uns leider nicht gelungen. Die Region dort zählt für uns schon als zweite Heimat, wir fahren bereits seit Jahrzehnten nach Appenzell und Umgebung, und können uns an der Landschaft einfach nicht satt sehen. Vielen Dank für die tollen Fotos und den Bericht dazu. Liebe Grüße Birgit

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