Monte San Giorgio – ein Stück Afrika im Tessin

Monte San Giorgio – ein Stück Afrika im Tessin

Die Besonderheiten des Monte San Giorgio habe ich zufällig letzten Frühling entdeckt. Da habe ich mich nämlich zwecks Vorbereitung unserer Zeitreise durch die Schweiz durch verschiedene Internetseiten auf der Inspirationssuche nach Ausflugstipps rund um den Luganersee geklickt. Überrascht stellte ich dabei fest, dass das Tessin nebst den Burgen und Festungsmauern von Bellinzona seit 2003 noch eine zweite UNESCO-Welterbestätte beherbergt. Der Monte San Giorgio befindet sich am südlichen Ende des Lago di Lugano und bildet eine der weltweit wichtigsten Fossillagerstätten der mittleren Trias, einer geologischen Periode zwischen 247 und 236 Millionen Jahren vor heute.

Mich hat das dermassen fasziniert, dass wir uns vor zwei Wochen diesen Zeitzeugen eines Meers, an das nur noch Fossilienfunde erinnern, genauer unter die Lupe genommen haben. Der Monte San Giorgio ist nämlich nicht nur eine Fundgrube für Fossilienjäger (wobei Achtung, allfällige Funde dürfen nicht nach Hause genommen werden) sondern vor allem ein hervorragender Aussichtsberg mit Panoramablick über die Region Luganersee.

Für die Fahrt zum Ausgangspunkt der Wanderung, Serpiano auf 650 m ü. M., wählen wir die gemütliche Variante. Mit dem Schiff ab Lugano-Paradiso via der ultrahässlichen Italien-Exklave Campione (ich entschuldige mich für den Ausdruck aber in Anbetracht der hässlichen Casino-Bauten kommen mir keine milderen Worte in den Sinn), unter dem Damm durch, an Melide vorbei bis nach Brusinio Arsizio. In Fussdistanz liegt die Mini-Seilbahn, die uns in vier Minuten von 285 m ü. M. 400 Höhenmeter zur Bergstation Serpiano transportiert. Kostenpunkt der Hinreise ab Lugano Paradiso bis nach Serpiano 14.20 CHF (das GA wird als Halbtax gezählt).

Oben angekommen bewundern wir kurz den Prachtsblick von der Terrasse des Hotel Serpiano, wobei der starke Dunst die Fernsicht trotz schönem Wetter beeinträchtigt. Anschliessend starten wir den Aufstieg in Richtung Gipfel.

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Der Wanderweg führt durch einen dichten Wald. An wenigen Stellen kann man zwischen den Blättern hindurch einen Blick auf den Luganersee erhaschen. Ansonsten halten wir unsere Augen gegen den Boden gerichtet. Schliesslich hat man hier über 10’000 unterschiedliche Fossilien, darunter 30 Reptilien- und 80 Fisch-Arten, gefunden. Vielleicht stolpern ja auch wir plötzlich über ein Fischskelett. Kaum vorstellbar, dass Teilschichten der heute so grüne Erhebung einmal zur afrikanischen Kontinentalplatte gehört haben sollen und das Ganze aus der Lagune des Thetysmeeres emporgewachsen sei.

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Der Aussichtspunkt vom Monte San Giorgio befindet sich auf knapp 1‘100 m ü. M.. Der Aufstieg hat doch eins, zwei Schweisstropfen gekostet, da der Weg teilweise steil ansteigt. Auf dem Gipfel werden wir aber mit einer tollen Rundsicht belohnt. Wenn der Dunst nicht hartnäckig alles was sich rund um die Region Luganersee mit einer feinen Wolkenschicht verhüllt hätte, wäre die Fernsicht wohl eindrücklicher gewesen. Nach einem kurzen Stopp wandern wir weiter Richtung Meride.

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Der Wanderweg führt mitten durch das hübsche Meride. Das Dörfchen befindet sich auf einem Sonnenplateau an der Südflanke des Monte San Giorgio. Direkt am Wanderweg liegt auch das Fossilienmuseum, wo die bedeutenden Fundstücke bestaunt werden können.

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Aus zeitlichen Gründen wandern wir ohne Stopp weiter Richtung Tal. Die letzten Kilometer sind noch einmal eine Herausforderung, weil der Pfad teilweise sehr eng und steil abfallend durch den Wald führt. Kurz vor dem Ziel passiert uns dann noch ein kleines Malheur. Die sieben Minuten Reserve auf den nächsten Zug Richtung Lugano verspielen wir mit einem falschen Abbieger an der Kreuzung in Capolago. Damit euch das nicht passiert: Rechts in die Str. Nuova abbiegen und nicht wie wir auf die Idee kommen, die Gleise durch die Fussgängerunterführung zu unterqueren. Capolago bildet übrigens den Ausgangspunkt für eine Bahnfahrt auf den Monte Generoso. Aufgrund der Baustelle für den Bau des neuen Bergrestaurants wird der Betrieb aber erst wieder 2016 aufgenommen und ist zur Zeit eingestellt.

Die Karte zeigt unseren Routenverlauf. Die Strecke ist rund 10 km lang und beinhaltet eine Steigung von 500 Höhenmetern und ein Gefälle von rund 870 Höhenmetern. Die reine Laufzeit beträgt rund 3.5 Stunden. Die Seilbahnstation in Brusinio (Haltestelle Brusino Arsizio Funivia) ist mit dem Schiff oder dem Bus ab Lugano erreichbar (je nach Verbindung via Morcote oder Capolago). Von Capolago-Riva S. Vitale (Zielort) bis nach Lugano dauert die Fahrt mit der S10 10 Minuten (Halbstundentakt).

Anita Brechbühl

Hallo ich bin Anita, leidenschaftliche Weltenbummlerin und Hobby-Fotografin. Ich liebe es, neue Flecken auf unserer wunderbaren Welt zu entdecken. Dabei gilt, das Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür! So bin ich nicht nur in exotischen Ländern sondern auch oft in der Schweiz unterwegs.

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